Seit einiger Zeit schmerzt plötzlich mein grosser Zeh – kann das mit meinem Bechterew zu tun haben?Hero Bild

Seit einiger Zeit schmerzt plötzlich mein grosser Zeh – kann das mit meinem Bechterew zu tun haben?

Ich lebe seit vielen Jahren mit Morbus Bechterew – axSpA. Seit einiger Zeit schmerzt nun mein grosser Zeh und ist auch gerötet und leicht geschwollen. Kann das mit meiner Grunderkrankung zu tun haben?
6. Mai 2026

Die Frage ist berechtigt, aber nicht ganz einfach zu beantworten. Grundsätzlich kann Morbus Bechterew – axSpA nicht nur die Wirbelsäule, sondern auch periphere Gelenke betreffen. Meist sind das die grossen Gelenke der Beine – Knie, Hüften oder Sprunggelenke. Auch eine sogenannte Daktylitis (Entzündung eines ganzen Zehs oder Fingers) kommt vor.

Eine isolierte Entzündung nur eines Zehengelenks, insbesondere des Grosszehs, ist dagegen nicht typisch für die Erkrankung und sollte daher differenzialdiagnostisch abgeklärt werden. Besonders häufig steckt hier eine Gicht (und viel seltener Pseudogicht) dahinter. Gicht entsteht durch Harnsäurekristalle im Gelenk, und das Grundgelenk des grossen Zehs ist der klassische Ort für einen akuten Gichtanfall. Die Beschwerden können sich wie eine Arthritis im Rahmen des Bechterews anfühlen, aber eine TNF-Alpha-Blocker-Therapie, wie sie bei Morbus Bechterew zum Einsatz kommt, würde hier nicht helfen.

Zur Abklärung kann eine Gelenkpunktion sinnvoll sein – dabei wird Gelenkflüssigkeit entnommen und im Labor auf Kristalle untersucht. So lässt sich meist klar feststellen, ob es sich um eine Gicht handelt oder nicht.

Falls tatsächlich die Grunderkrankung verantwortlich ist, kommen – je nach Schwere – NSAR, lokale Kortikosteroidinjektionen, systematische Steroide oder bei anhaltender Entzündung auch eine Anpassung der Basistherapie infrage.

Nicht jede neue Gelenkbeschwerde muss mit Morbus Bechterew zusammenhängen – gerade beim Grosszeh ist auch an eine Gicht zu denken. Eine ärztliche Abklärung hilft, Klarheit zu gewinnen und gezielt zu behandeln.

Dr. med. Chrysoula Manolaraki, Fachärztin FMH für Rheumatologie, Rheuma-Basel

Dieser Beitrag stammt aus der Rubrik «Ratgeber» der Zeitschrift «vertical». Werden auch Sie Mitglied und erhalten Sie weitere wertvolle Tipps für den Umgang mit Morbus Bechterew.