Die Standortbestimmung der SVMB orientiert sich an den Empfehlungen der europäischen Rheumaliga EULAR zur körperlichen Aktivität bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Im Zentrum stehen Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Gleichgewicht beziehungsweise Koordination. Diese Bereiche sind für Menschen mit Morbus Bechterew – axSpA besonders wichtig – im individuellen Training ebenso wie in den Therapiegruppen.
Standortbestimmungen zeigen, wo jemand aktuell steht, machen Veränderungen sichtbar und helfen, Trainingsziele abzuleiten. Damit solche Aussagen verlässlich sind, müssen die Messungen gut eingeordnet werden können.

Kaum spezifische Referenzwerte
Genau hier setzte Tanja Ochsner an. Die Physiotherapeutin ist Masterstudentin an der ZHAW, arbeitet Teilzeit in einer Rehaklinik sowie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Inselspital Bern. In einem Transfermodul verglich sie die bei der SVMB verwendeten körperlichen Tests mit aktueller wissenschaftlicher Literatur und prüfte, welche Vergleichs- oder Referenzwerte herangezogen wer den können. Ihre Ergebnisse stellte sie kürzlich bei der SVMB vor. Im Anschluss entstand ein angeregter Austausch über die Messungen und ihre Aussagekraft.
Dabei zeigte sich ein Befund, der für Erstaunen sorgte: Für mehrere Tests gibt es zwar Vergleichswerte aus anderen Gruppen, aber kaum spezifische Referenzwerte für Menschen mit Morbus Bechterew – axSpA. Das überrascht, weil Bewegung und körperliche Funktion bei der Erkrankung so zentral sind.
Die Arbeit ist deshalb mehr als eine studentische Übung. Sie ist ein aktuelles Beispiel dafür, wie die SVMB ihre Bewegungsangebote überprüft und weiterentwickelt. Die Zusammenarbeit mit der ZHAW spielt dabei eine wichtige Rolle. Begleitet wird die Arbeit von Dr. sc. Lea Ettlin. Sie ist Physiotherapeutin, bei der SVMB unter anderem für Bewegung, Coaching und Standortbestimmungen verantwortlich und gleichzeitig am Institut für Physiotherapie der ZHAW tätig.
Nutzen für Therapiegruppen und Alltag
Für die Therapiegruppen der SVMB ist diese Weiter Entwicklung zentral. Die Gruppen sollen auf aktuellen Erkenntnissen beruhen und für Betroffene sicher, wirksam und alltagstauglich sein. Das wird auch deshalb wichtiger, weil Krankenkassen die Kostenübernahme von Gruppentherapien zunehmend genauer prüfen oder in einzelnen Fällen ablehnen.
Die Standortbestimmung ist bei der SVMB nicht als reine Messung gedacht. Im Anschluss erhalten die Teil nehmenden eine Bewegungsberatung mit konkreten Empfehlungen, unter anderem mit Trainingshandbuch, Bewegungsempfehlungen, Übungen in Kalenderform und Hinweisen zu digitalen Übungsangeboten wie rheumaFIT. Zusätzlich erhalten sie eine schriftliche Rückmeldung von Dr. sc. Lea Ettlin. Gerade weil manche Betroffene dafür einen weiten Weg auf sich nehmen, soll daraus ein konkreter Nutzen für den Alltag entstehen.
Verantwortliche aus den Therapiegruppen berichten zu dem immer wieder, dass Betroffene grosse Schwankungen erleben. An manchen Tagen ist vieles möglich, an anderen fühlt sich dieselbe Bewegung deutlich schwerer an. Standortbestimmungen und Bewegungsberatungen können helfen, solche Entwicklungen besser sichtbar zu machen – so fern die Werte sinnvoll eingeordnet werden.
Langfristig könnten eigene Vergleichswerte der SVMB wichtig werden. Bereits heute sind mehrere Hundert Datensätze aus Standortbestimmungen im Register vorhanden. Sie könnten künftig helfen, eigene Referenzwerte für Menschen mit Morbus Bechterew – axSpA aufzubauen. Auch rheumaFIT könnte langfristig dazu beitragen, Entwicklungen besser sichtbar zu machen, wenn entsprechende Funktionen fachlich und datenschutzrechtlich sauber umgesetzt werden.
Am Ende profitieren alle Seiten: Studierende der ZHAW erhalten praxisnahe Fragestellungen, die SVMB gewinnt wissenschaftliche Impulse, und Betroffene profitieren von Bewegungstherapien, die laufend überprüft und weiter entwickelt werden.
Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift «vertical» Nr. 109 erschienen.
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