Dimensionen der axSpA 2026: Synergien schaffen zwischen High-Tech-Medizin, Patient:innenteilhabe und Gesundheitspolitik

Zum Auftakt des Schweizerischen Bechterew-Treffens 2026 richtete Dr. med. Godehard A. Scholz vom Inselspital Bern den Blick auf die grossen Linien der axSpA-Versorgung: Wo steht die High-Tech-Medizin heute, welchen Stellenwert hat die aktive Teilhabe der Patient:innen, und wie prägt die Gesundheitspolitik den Weg zu einer besseren Versorgung? Sein Referat verband aktuelle Forschung mit einem klaren Blick auf die noch offenen Fragen.
4. August 2026

Themenübersicht:

  • Was ist axSpA? Begriffe, Formen und Unterschiede zwischen r-axSpA und nr-axSpA
  • Diagnostik: kein einzelner Test, sondern das Gesamtbild aus Anamnese, Untersuchung, Labor und Bildgebung
  • Management: Lebensqualität, frühe Entzündungskontrolle und personalisierte Therapien
  • Ausblick: offene Fragen zu Diagnose, Monitoring und dem Potenzial künstlicher Intelligenz

Video-Referat von Dr. med. Godehard A. Scholz, anlässlich des Schweizerischen Bechterew-Treffens vom 30. Mai 2026 im Hotel National in Bern

Was bedeutet axSpA – und für wen?

Axiale Spondyloarthritis (axSpA) ist der moderne Oberbegriff für eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule und Iliosakralgelenke, die teils auch periphere Gelenke oder Organe wie Auge, Haut und Darm betrifft. Man unterscheidet die radiographische Form (r-axSpA) mit sichtbaren Strukturschäden im Röntgenbild von der nicht-radiographischen Form (nr-axSpA), bei der sich nur im MRT Entzündungen zeigen. Der Krankheitsbeginn liegt meist zwischen 20 und 30 Jahren – mitten in einer beruflich und sozial besonders aktiven Lebensphase, was sich laut einer 2023 in vertical publizierten Studie auch in einer deutlich höheren Erwerbslosigkeit unter Betroffenen zeigt.

Diagnostik: das Gesamtbild zählt

Einen einzelnen Diagnosetest gibt es nicht – die Diagnose stützt sich auf das Zusammenspiel aus Anamnese, körperlicher Untersuchung, Labor und Bildgebung. Besonders hilfreich ist dabei die Unterscheidung zwischen entzündlichem und mechanischem Rückenschmerz, etwa anhand von Morgensteifigkeit, nächtlichem Aufwachen und dem Ansprechen auf Ibuprofen. Auch die Bildgebung hat ihre Grenzen: Nicht jede Ödemzone im MRT ist entzündlich bedingt.

Management: Lebensqualität und Partnering

Im Zentrum stehen für Dr. Scholz die Lebensqualität, eine frühe Entzündungskontrolle und die soziale Partizipation der Betroffenen – getragen von einem echten «Partnering» zwischen Ärzteschaft und Patient:innen. Neben Medikamenten wie NSAR, TNF-, IL-17- oder JAK-Inhibitoren betonte er die nicht-pharmakologische Basistherapie: Selbstmanagement, Mobilitätserhalt und Rauchstopp.

Digitale Anwendungen und Selbsthilfe

Digitale Gesundheitsanwendungen wie die deutsche Axia-App können Krankheitsaktivität, Funktionsfähigkeit und Lebensqualität nachweislich verbessern. Auch Selbsthilfegruppen wirken sich positiv aus – Dr. Scholz machte allerdings darauf aufmerksam, dass vor allem männliche, verheiratete Patienten unter Biologika-Therapie davon profitieren, und warf die Frage nach dem Zugang für andere Subgruppen auf.

Geschlechtsspezifische Unterschiede und Präzisionsmedizin

Frauen benötigen oft länger bis zur Diagnose, zeigen andere Symptome und sprechen im Schnitt schlechter auf bestehende Therapien an als Männer. Neue Ansätze der Präzisionsmedizin – etwa die Bestimmung von Immunzell-Markern vor Therapiebeginn – könnten künftig helfen, das jeweils passende Medikament gezielter zu wählen.

Ausblick: Synergien schaffen 2026

Zum Abschluss verband Dr. Scholz die drei Dimensionen seines Vortrags: Präzision und Prädiktion in der Hightech-Medizin, Partnering in der Patient:innenteilhabe und bessere Vernetzung sowie Innovationsfinanzierung in der Gesundheitspolitik. Sein Fazit: Der Austausch zwischen allen Akteuren – wie an diesem Treffen – sei der Schlüssel für die kommenden Jahre.