Morbus Bechterew – axSpA ist eine Erkrankung, die Betroffenen viel abverlangt. Regelmässige Bewegung, ein gutes Verständnis der eigenen Erkrankung, der Umgang mit Schmerzen und der Zugang zu verlässlichen Informationen sind wichtige Grundlagen im Umgang mit der Krankheit. Gleichzeitig ist genau das im Alltag oft anspruchsvoll. Beruf, Familie, Schmerzen, Erschöpfung oder eingeschränkte Beweglichkeit können dazu führen, dass gute Vorsätze nicht immer umgesetzt werden. Viele Betroffene kennen diese Lücke zwischen Wissen und Alltag: Man weiss, dass Bewegung wichtig ist, schafft es aber nicht immer, regelmässig zu üben. Man hat Fragen zur Erkrankung, findet aber im Internet widersprüchliche Informationen. Man möchte ein Beratungsangebot nutzen, weiss aber nicht sofort, wo man ansetzen soll. Oder man verliert im Verlauf der Zeit den Überblick darüber, welche Beschwerden wann stärker waren und was geholfen hat.
Genau hier setzt rheumaFIT an. Die App soll nicht einfach ein weiteres digitales Angebot sein, sondern eine praktische Begleiterin im Alltag. Sie bringt zentrale Angebote der SVMB näher zu den Betroffenen und macht sie einfacher zugänglich. Damit wird Unterstützung nicht nur punktuell angeboten, sondern stärker in den Alltag integriert.
Digitalisierung als Weiterentwicklung der SVMB-Angebote
Die SVMB begleitet Betroffene seit Jahrzehnten mit Informationen, Beratung, Therapien, Veranstaltungen und Austauschmöglichkeiten. Viele dieser Angebote bestehen bereits und werden regelmässig genutzt. Doch sie waren bisher nicht immer an einem Ort zugänglich. Wer Übungen machen wollte, nutzte die bestehende Online-Plattform für Übungen. Wer Beratung suchte, musste sich auf der Webseite orientieren oder direkt Kontakt aufnehmen. Wer Informationen suchte, fand sie in Broschüren, auf der Webseite, in der Zeitschrift oder an Veranstaltungen.
Mit der App sollen diese Angebote stärker miteinander verbunden werden. rheumaFIT ist deshalb kein isoliertes Digitalprojekt, sondern Teil einer längerfristigen Entwicklung. Die SVMB hat bereits Erfahrungen mit digitalen Übungsangeboten gesammelt. Diese Erfahrungen zeigen, dass digitale Unterstützung besonders dann hilfreich sein kann, wenn sie krankheitsspezifisch, einfach zugänglich und alltagstauglich ist.
Mit der App geht die SVMB nun einen Schritt weiter. Trainingsangebote, Wissensinhalte sowie Zugänge zu Coaching und weiteren Dienstleistungen werden in einer gemeinsamen digitalen Umgebung gebündelt. Für Betroffene bedeutet das: weniger Suchen, mehr Orientierung und ein direkterer Zugang zu Angeboten, die sie im Umgang mit Morbus Bechterew – axSpA unterstützen können.
rheumaFIT bündelt Training, Journal, Wissen und Coaching an einem Ort.

Ein digitaler Begleiter – kein Ersatz für persönliche Betreuung
Ein wichtiges Grundprinzip der App ist der sogenannte Blended-Care-Ansatz. Gemeint ist die Verbindung von digitalen und persönlichen Angeboten. Digitale Unterstützung soll also nicht den Kontakt zu Fachpersonen, Gruppen oder Beratungsstellen ersetzen. Vielmehr soll sie helfen, die Zeit zwischen diesen Kontakten besser zu überbrücken.
Das ist gerade bei Morbus Bechterew – axSpA wichtig. Eine einzelne Therapiesitzung, ein Gespräch mit einer Fachperson oder eine Beratung kann viel auslösen. Entscheidend ist aber oft, was danach im Alltag passiert: Werden Übungen weitergeführt? Werden Informationen nochmals nachgelesen? Werden Veränderungen wahrgenommen? Wird bei Unsicherheit rechtzeitig Unterstützung gesucht?
Die App kann diese Übergänge unterstützen. Sie macht Angebote sichtbar, vereinfacht den Zugang und hilft, Inhalte im Alltag verfügbar zu halten. Wer zum Beispiel an einer Therapiegruppe teilnimmt, kann zusätzlich zu Hause mit geeigneten Übungen arbeiten. Wer eine Beratung in Anspruch genommen hat, kann ergänzende Informationen nachlesen. Wer seinen Verlauf dokumentiert, kann Veränderungen besser einordnen und Gespräche mit Fachpersonen gezielter vorbereiten.
Die persönliche Betreuung bleibt dabei zentral. Gruppentherapien, individuelle Beratungen, medizinische Abklärungen und der Austausch mit Fachpersonen behalten ihren festen Platz. rheumaFIT ergänzt diese Angebote – sie ersetzt sie nicht.
Selbstmanagement konkret
Selbstmanagement ist bei Morbus Bechterew – axSpA kein neues Thema. Schon lange wissen Betroffene, dass regelmässige Bewegung, aktive Krankheitsbewältigung und Information eine wichtige Rolle spielen. Neu ist jedoch, dass digitale Werkzeuge helfen können, dieses Selbstmanagement besser zu strukturieren und im Alltag sichtbar zu machen.
rheumaFIT setzt dabei besonders beim Training an. In der App können Nutzerinnen und Nutzer einen Trainingsplan erstellen und festlegen, an welchen Tagen sie trainieren möchten. Die Übungen stammen aus den bestehenden rheumaFIT-Programmen und orientieren sich an zentralen Dimensionen der Bewegungstherapie bei axSpA: Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer und Koordination. Diese Bereiche entsprechen auch den Empfehlungen der europäischen Rheumaliga EULAR.
Viele Betroffene wissen grundsätzlich, was ihnen guttut. Die Herausforderung liegt oft darin, dieses Wissen langfristig umzusetzen. Eine App kann hier helfen, indem sie kleine Schritte erleichtert: ein Training planen, eine Einheit starten, Fortschritte festhalten, Erinnerungen nutzen oder das Befinden dokumentieren.
Im Zentrum steht nicht Perfektion. Es geht nicht darum, jeden Tag alles richtig zu machen. Vielmehr soll rheumaFIT helfen, dranzubleiben und Orientierung zu behalten. Schon kleine, regelmässige Schritte können langfristig einen Unterschied machen – besonders bei einer Erkrankung, bei der Bewegung und Eigenaktivität eine so wichtige Rolle spielen.
Prof. Dr. Alfred Angerer von der ZHAW beschreibt im Interview, dass digitale Angebote dann besonders wertvoll sind, wenn sie Betroffene im Alltag unterstützen und ihnen mehr Handlungsspielraum geben. Eine App könne helfen, die eigene Situation bewusster zu steuern und mit der Erkrankung selbstbestimmter zu leben. Genau dieser Gedanke steht auch hinter rheumaFIT.
Der Einstieg bei rheumaFIT in fünf Schritten
- App herunterladen
rheumaFIT kostenlos im App Store oder bei Google Play herunterladen. - Profil erstellen
Zugang einrichten und die App Schritt für Schritt kennenlernen. - Training planen
Übungen auswählen, Trainingstage festlegen und erste Einheiten starten. - Journal nutzen
Befinden, Schmerzen und Aktivität regelmässig festhalten. - Weitere Angebote entdecken
Wissen nachlesen, Auswertungen anschauen oder eine Bewegungsberatung buchen.
Hier geht’s zur rheumaFIT-App im App Store (iPhone)
Hier geht’s zur rheumaFIT-App im Play Store (Android)
Training, Journal, Wissen und Coaching zusammen denken
Die App bündelt mehrere zentrale Bereiche: Training, Journal, Auswertungen, Wissen und Coaching. Diese Bereiche stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern ergänzen sich. Wer trainiert, kann sein Befinden beobachten. Wer Veränderungen feststellt, kann diese im Journal festhalten. Wer Fragen hat, findet Wissensbeiträge oder kann eine Bewegungsberatung buchen.
rheumaFIT macht Selbstmanagement konkreter.
Im Bereich Training lassen sich eigene Pläne erstellen. Nutzerinnen und Nutzer können Übungen auswählen, Trainingstage festlegen und Einheiten erfassen. Das macht Bewegung planbarer und hilft, Routinen aufzubauen. Im Journal können Befinden, Schmerzen und körperliche Aktivität regelmässig eingetragen werden. Über die Auswertungen lässt sich danach nachvollziehen, wie sich Einträge über die Zeit entwickeln.
Hinzu kommt ein Wissensbereich mit Artikeln zu verschiedenen Themen wie Grundlagen, Sport, Medikamente, Ernährung, Forschung, Erfahrungen und Coaching. Eine Suchfunktion erleichtert den Zugang zu passenden Inhalten. Im Bereich Coaching kann man zum Beispiel direkt eine Bewegungsberatung mit Dr. Lea Ettlin, der leitenden Physiotherapeutin der SVMB, buchen.
rheumaFIT soll damit nicht einfach Informationen bereitstellen, sondern verschiedene Formen der Unterstützung miteinander verbinden. Für manche Betroffene steht das Training im Vordergrund. Für andere ist es wichtig, den Verlauf besser zu beobachten, Fragen nachzulesen oder Beratung in Anspruch zu nehmen. Die App muss deshalb nicht für alle gleich genutzt werden. Sie soll verschiedene Zugänge ermöglichen – je nachdem, was in der aktuellen Lebenssituation gerade wichtig ist.
Probieren Sie rheumaFIT aus
rheumaFIT soll Menschen mit Morbus Bechterew – axSpA im Alltag möglichst gut unterstützen. Ob uns das gelingt, zeigt sich jedoch erst bei der tatsächlichen Nutzung.
Deshalb laden wir Sie ein, die App auszuprobieren und uns von Ihren Erfahrungen zu berichten. Wie verständlich ist die App? Finden Sie sich gut zurecht? Motivieren Sie die Trainingsangebote? Sind Ihnen technische Probleme oder fehlende Funktionen aufgefallen?
Ihre Rückmeldung hilft uns, rheumaFIT Schritt für Schritt weiterzuentwickeln und noch besser auf die Bedürfnisse der Betroffenen auszurichten.
Die App finden Sie im Apple App Store und im Google Play Store:
- Hier geht’s zur rheumaFIT-App im App Store (iPhone)
- Hier geht’s zur rheumaFIT-App im Play Store (Android)
Jetzt App testen und Feedback geben
Sie können mir Ihre Rückmeldung auch direkt per E-Mail an angelo.colaninno@bechterew.ch senden. Vielen Dank.
Angelo Colaninno, Projektleitung rheumaFIT
Verlässlichkeit in einem unübersichtlichen digitalen Umfeld
Der Markt für Gesundheits-Apps ist gross. Für Betroffene ist es jedoch nicht immer einfach, zu erkennen, welche Angebote seriös, fachlich fundiert und wirklich hilfreich sind. Viele Anwendungen sind allgemein gehalten, verfolgen unterschiedliche Interessen oder sind nicht auf Morbus Bechterew – axSpA ausgerichtet.
Hier hat eine Patientenorganisation wie die SVMB eine besondere Rolle. Die App entsteht nicht aus einem anonymen Markt heraus, sondern aus einer Organisation, die seit Jahrzehnten mit Betroffenen arbeitet, ihre Anliegen kennt und Angebote gemeinsam mit Fachpersonen weiterentwickelt.
Dranbleiben bleibt die grösste Herausforderung
So vielversprechend digitale Angebote sind: Ihre Wirkung hängt stark davon ab, ob sie im Alltag tatsächlich genutzt werden. Studien zeigen, dass viele Gesundheits-Apps zwar als hilfreich wahrgenommen werden, die Nutzung aber mit der Zeit abnehmen kann. Entscheidend sind deshalb einfache Bedienung, klare Struktur, verlässliche Inhalte und ein erkennbarer Nutzen.
Die App unterstützt dort, wo der Alltag stattfindet.
Die App soll dabei keinen zusätzlichen Druck erzeugen. Sie soll nicht an Defizite erinnern, sondern Orientierung geben. Gerade bei einer chronischen Erkrankung ist das wichtig: Unterstützung muss nicht nur gut gemeint sein, sondern dauerhaft in den Alltag passen. Kleine Erinnerungen, ein übersichtlicher Trainingsplan und nachvollziehbare Fortschritte können helfen, Bewegung und Selbstmanagement Schritt für Schritt zu verankern.
Ein Schritt in die Zukunft der Versorgung
Die Entwicklung von rheumaFIT ist auch eine Antwort auf Veränderungen im Gesundheitswesen. Der Zugang zu Fachpersonen ist nicht immer einfach, Wartezeiten können lang sein, und die Betreuung chronischer Erkrankungen erfordert mehr als einzelne Termine. Digitale Angebote können hier eine unterstützende Rolle spielen, indem sie Orientierung schaffen, Routinen erleichtern und bestehende Angebote besser zugänglich machen.
Gleichzeitig ist klar: Eine App löst nicht alle Probleme. Sie stellt keine Diagnose, gibt keine medizinischen Therapieempfehlungen und ersetzt keine persönliche Betreuung. Sie kann aber helfen, Betroffene zwischen Terminen zu begleiten, Informationen verfügbar zu machen und die Eigenaktivität zu stärken.
rheumaFIT ist als Plattform angelegt, die sich weiterentwickeln kann. Neue Inhalte, Funktionen und Verknüpfungen mit bestehenden Angeboten können folgen. Entscheidend bleibt dabei immer die gleiche Frage: Was hilft Betroffenen im Alltag wirklich?
Mit der neuen App schafft die SVMB eine digitale Grundlage, auf der zukünftige Angebote aufbauen können. Sie bringt Training, Journal, Auswertungen, Wissen und Coaching näher zusammen – und macht Unterstützung einfacher zugänglich.
Das kann rheumaFIT
Training planen
Nutzerinnen und Nutzer können Trainingspläne erstellen, Übungen auswählen und Trainingstage festlegen.
Übungen durchführen
Die App enthält Bewegungs- und Trainingsvideos aus den bestehenden Programmen der SVMB.
Befinden dokumentieren
Im Journal können Befinden, Schmerzlevel und körperliche Aktivität festgehalten werden.
Verlauf ansehen
Auswertungen zeigen, wie sich Einträge über die Zeit entwickeln.
Standortbestimmung unterstützen
Mit Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten können körperliche Standortbestimmungen erfasst werden.
Wissen nachlesen
Der Wissensbereich bietet verständliche Informationen zu Morbus Bechterew – axSpA, Therapie, Bewegung und Alltag.
Coaching buchen
Über die App kann eine Bewegungsberatung der SVMB vereinbart werden.
Hier geht’s zur rheumaFIT-App im App Store (iPhone)
Hier geht’s zur rheumaFIT-App im Play Store (Android)
Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift «vertical» Nr. 109 erschienen.
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