Für Menschen mit Morbus Bechterew – axSpA wird laufend an neuen Behandlungsansätzen geforscht: Eine Studie, die in der Fachzeitschrift «Nature Medicine» veröffentlicht wurde, untersuchte die gezielte Beeinflussung bestimmter Immunzellen. In einem Einzelfall kam es zu einem deutlichen und länger anhaltenden Rückgang der Symptome. Die Ergebnisse sind wissenschaftlich interessant und ermutigend – die Therapie befindet sich jedoch noch in der frühen Forschung und ist aktuell nicht verfügbar.
Morbus Bechterew – axSpA gehört zu den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, bei denen das Immunsystem fehlreguliert ist. Welche genauen Mechanismen zur Erkrankung führen, ist noch nicht vollständig geklärt. Ein Ansatz der Forschung besteht darin, bestimmte Immunzellen zu identifizieren, die möglicherweise eine Rolle im Krankheitsgeschehen spielen, und diese gezielt zu beeinflussen.
Forschungsansatz: Gezielte Beeinflussung bestimmter Immunzellen
Die Studie untersuchte die gezielte Reduktion von bestimmten Immunzellen, den sogenannten TRBV9+-T-Zellen, bei einem Patienten mit Morbus Bechterew – axSpA. Dabei kam es innerhalb von drei Monaten zu einem deutlichen Rückgang der Krankheitssymptome. In diesem Einzelfall wurde die bisherige Therapie vorübergehend beendet. Über einen Zeitraum von vier Jahren blieb der Patient unter wiederholten Behandlungen weitgehend stabil. Zudem zeigte sich eine Verbesserung der Beweglichkeit der Wirbelsäule. Zehn Monate nach der ersten Behandlung kehrten einzelne Symptome zurück, worauf eine erneute Behandlung wieder zu einer Verbesserung führte.
Wichtig ist jedoch: Es handelt sich um den Bericht eines einzelnen Patienten im Rahmen einer experimentellen Therapie. Die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Betroffene übertragen.
Aktueller Stand: Therapie noch nicht verfügbar
Die Behandlung basiert auf einem Antikörper, der gezielt auf eine kleine Untergruppe von Immunzellen abzielt. In Tiermodellen wurde dieser Ansatz bereits untersucht und zeigte dort vielversprechende Ergebnisse. Die sogenannte Anti-TRBV9-Therapie befindet sich jedoch noch in der Forschung und ist aktuell nicht als Behandlung verfügbar.
Noch offen ist unter anderem, für welche Patientengruppen die Therapie geeignet sein könnte, welche Risiken und Nebenwirkungen bestehen und wie wirksam sie im Vergleich zu bestehenden Therapien ist. Die heute verfügbaren und etablierten Behandlungen bleiben daher weiterhin die Grundlage der Therapie.
Der beschriebene Ansatz ist wissenschaftlich interessant, da er zeigt, wie zukünftige Therapien möglicherweise gezielter in das Krankheitsgeschehen eingreifen könnten. Ob daraus eine breit einsetzbare, wirksame und sichere Therapie entsteht, müssen weitere Studien zeigen.
Betroffene sollten ihre Therapie immer mit ihrer behandelnden Rheumatologin oder ihrem Rheumatologen besprechen.
Britanova, Olga V., et al. «Targeted depletion of TRBV9+ T cells as immunotherapy in a patient with ankylosing spondylitis.» Nature Medicine 29.11 (2023): 2731-2736.
Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift «vertical» Nr. 102 erschienen.
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