Neue Forschungsergebnisse

Bei 73-jähriger Frau blieb Bechterew jahrzehntelang unerkannt

Während über 40 Jahren hatte eine 73-jährige Frau immer wieder unerträgliche Schmerzen in verschiedenen Körperregionen. Trotz positivem HLA-B27-Status wird kein Morbus Bechterew diagnostiziert. Denn die Frau war körperlich aktiv und es gab immer wieder schmerzfreie Phasen.

Bei 73-jähriger Frau blieb Bechterew jahrzehntelang unerkannt

Die Patientin stellte sich mit starken Schmerzen in der Brustwirbelsäule vor. Sie fühlte sich steif. Bereits seit Wochen nahm sie hoch dosiert Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) ein, ohne Erfolg. Sie berichtete den Ärzten im Spital, dass gleichzeitig eine ausgeprägte Parodontitis (bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparates) bestehe, obwohl sie sorgfältig Mundhygiene betreibe. Bereits vor vielen Jahren sei ein positiver HLA-B27-Status ermittelt worden. Zudem leide sie rezidivierend (rückfällig) unter Schmerzen und Schwellungen im Bereich der Handgelenke.

Mehrere Bechterew-Symptome

Die Untersuchung ergab eine leicht eingeschränkte Beugefähigkeit der Brustwirbelsäule und einen ausgeprägten Kompressionsschmerz über den Wirbelkörperfacetten der Brustwirbelkörper 3/ 4 und 5/ 6. Zudem war die Flexion der Hand und Finger in Richtung Handfläche beidseits schmerzhaft.

Labordiagnostisch fanden sich keine weiteren Auffälligkeiten. MRT-Aufnahmen der schmerzhaften Brustwirbel zeigten costovertebral (an den Rippenwirbeln) eine ausgeprägte Enthesitis und Kapsulitis (entzündliche Schmerzen an der Schulter). Auch die Iliosakralfuge links wies eine Ankylose auf. Damit stand die Diagnose axiale und periphere Spondyloarthritis (Morbus Bechterew) mit klinisch dominierendem enthesitischen Verlauf fest. Dies schreibt Professor Dr. Peter Härle, Klinik für Rheumatologie, Klinische Immunologie und physikalische Therapie am katholischen Klinikum Mainz.

Der Morbus Bechterew gehört zur Erkrankungsgruppe der Spondyloarthritiden. Entzündungen kommen peripher, axial aber auch extraartikulär, z.B. an Enthesen oder am Auge, vor. Seit wenigen Jahren ist auch ein Zusammenhang mit der Parodontitis bekannt.

Quelle: Peter Härle. Ärzteblatt Rheinland-Pfalz 2013; 7: 26 © LÄK Rheinland-Pfalz. Aus «Medical Tribune».

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